Alle Wege führen zu einem Ziel, auch Umwege. Ehe Leo Uibel sich also aufmachte, Ziersdorf und Umgebung seine Idee von Veltliner & Co. einzuschenken, bummelte er erstmal um die Welt. Die Ausbildung, die ihn eigentlich für die Arbeit im familiären Weingut bestens prädestiniert hätte, wurde durch einen Bürojob ersetzt und Ziersdorf gegen Wien eingetauscht. Die Distanz, die er zwischen sich und die tägliche Auseinandersetzung mit dem Wein(viertel) gelegt, und die Erfahrungen, die er auf seinen Reisen gemacht hatte, war notwendig, um sich quasi durch die Hintertür wieder dem Thema anzunähern. Als er beschloss, mit seinem Urlaubsgeld, nicht wieder in die Welt aufzubrechen, sondern stattdessen erste Eichenfässer zu kaufen, war sein Schicksal besiegelt.


Heute bewirtschaftet Leo 7,5 Hektar biologisch und empfindet die Größe seines Weinguts als Idealzustand. Würde er größer werden, müsste er auch seine Intentionen ändern und dagegen spricht eine ganze Menge. Er würde beispielsweise seine persönliche Beziehung zu seinen Weingärten neu definieren müssen. Die gegenwärtige Rebfläche ermöglicht es, dass er jeden seiner Rebstöcke kennt und ihm folglich eine individuelle Pflege angedeihen lassen kann.
Er kennt die mikroklimatische Eigenheiten und die geologischen Diversitäten seiner Weingärten und kann folglich in neuralgischen Momenten punktgenau reagieren. Die Böden (dauerbegrünt) und das darunterliegende Gestein sind übrigens, obwohl sie sich allesamt in einem Radius von einem Kilometer um das Weingut befinden, erstaunlich differenziert. Leo empfindet diese Uneinheitlichkeit als Privileg und baut folglich Veltliner in fünf verschiedenen Varianten aus. Dazu kommen noch ein Chardonnay und ein Pinot Noir, aus denen er ebenfalls die Essenz der Sorte und die Handschrift des Weinviertels herauszukeltern versucht.


Neben 1000  sortenimmanenten Eigenheiten, gibt es auch einen roten Faden durch die Uibelschen Weinwerdungswelten. Zeit – und zwar viel davon – ist ein einigender Faktor. Indem er sie gewährt, kreiert er eine natürliche Harmonie, die schnell vinifizierte Weine nie entwickeln können. Experimenten steht er grundsätzlich positiv gegenüber, öffnen sie doch die Pforte zu neuen Herangehensweisen und Geschmackserfahrungen. Kurze & längere Maischestandzeiten, vorwiegend spontane Vergärung, langer Hefekontakt möglichst in Holzfässern sind allesamt Attribute, die seiner Konzeption entsprechen. Und die ist auf den Punkt und in die Flasche gebracht puristisch, originell, emotional & stets darauf bedacht bekömmliche, lebendige, geradlinige und doch anspruchsvolle Weine zu keltern.